Cornelius Quabeck

Know thyself
26.06.2020 – 22.07.2020

Die Ähnlichkeit der guten Zeit mit der guten Zeit

Tusche ist die Zärtlichkeit des Stiftes.
(Unbekannt)

I want to care for someone the way this band cares for me. Youtube-Kommentar von Oarphan zu einem Album der Band Beach House

Es ist nicht unbedingt privat, eine Stunde mit einem Menschen zu verbringen. Mit einem Menschen, den man schätzt oder liebt. Oder einem Menschen, den man aus albernen, seriösen, aus Gründen einer wie auch immer gearteten Echoresonanz anhimmelt oder der einen aus anderen Gründen antriggert.
Auf Facebook gab es für eine Zeit die Funktion, die mit der irren Vokabel „Anstupsen“ ins Deutsche übertragen wurde. Wirkte dieser „Knopf“ im Kontext des Sozialen Mediums wie eine Herabwürdigung Erwachsener und ihrer Fähigkeiten, so ist das körperliche Kommunizieren im Alltag doch von Relevanz. Das Anstupsen war eine super Idee im falschen Kontext. Das Bewusstsein kann abgehen, beginnt sich zu drehen, wird es im richtigen Moment vom richtigen Gegenüber angestoßen.
Cornelius Quabeck hat für die Doppelausstellung „Know Thyself/ Dunno“ jeweils eine Stunde mit den Porträtierten verbracht. Mit Menschen, denn das ist bei dem Düsseldorfer Künstler nicht immer so, dazu später mehr. Die Ergebnisse muten nicht immer privat an, doch immer vertraut.

Auch ich kenne mehr als die Vertrautheit mit Menschen. Ich tippe diese Buchstaben in den Computer. Ich schreibe sie ab und verändere sie. Denn meine Vertrautheit ist die des Stiftes, die Codiertheit des Gestikulierens kommt mir locker vor im Gegensatz zu den Tasten, auf die ich eintippen muss. Tusche ist die Zärtlichkeit des Stiftes, und Zuneigung lukt hervor aus den Tuscheblättern des Cornelius Quabeck.
Die Vertrautheit zeigt sich in den entspannten Körperzügen der eine Stunde lang Sitzenden. Eine Stunde. Das ist die Dauer des Biertrunks im Hackbarth‘s. Eine Stunde, Düsseldorf (Wohnort Quabecks) nach Köln in der S-Bahn (nur leicht gemogelt!). Eine Stunde, jene Maßeinheit Schlaf, die am nächsten Tag schmerzlich fehlen kann oder eben für jene Müdigkeit sorgt, die Ideen schenkt.

Quabeck schreibt: „Weil viel schiefgeht, gibt es auch ausgehend von den kleinen Zeichnungen ein paar Bilder, die das Groteske anstelle von Ähnlichkeit anstreben“ in einer Korrespondenz vom 2. Juni 2020. Der Clou: Quabeck erläutert „Die habe ich in Schottland gemalt“. Zyklopen seien die Ergebnisse der Groteske-Produktion, es fehle nicht nur ein Auge, „sondern auch Identität.“ Die Zyklopen zeigt der Künstler im Projektraum Die Botschaft.
Nun sind die Leute in Schottland o.k. So in Ordnung sogar, dass es mir schwierig er- scheint, ausgerechnet im Norden der britischen Insel das Groteske zu finden. Menschen aus Oban, Glasgow, Edinburgh oder den Äußeren Hebriden mögen als kleine Stücke des Gesellschaftskuchens die paganisch-schamanistische Tam-Tam-Nische besetzen und die Erdmutter Gaia hofieren und Druiden um Rat und Ritual fragen. Und warum auch nicht. Es scheint das kollektive Unbewusste des Landes von tiefdunklen Begehren zu entlasten. Wie kommt es dort bloß zu Darstellungen des Grotesken?

Ich glaube, ich hab’s. Wenn die gute Zeit an die Tür klopft, dann ist ihr die andere gute Zeit ähnlich. Das Zwischenmenschliche besteht aus der Ähnlichkeit dieser beiden Zeiten miteinander.
In Glasgow hatte Cornelius Quabeck einen Lebensaufenthalt, und so manche Schottin, mancher Schotte blickt uns entgegen, als seien sie aufgewachsen in derselben Kernfamilie. Die Namen der Porträtierten sind nicht voll ausgeschrieben. Wichtiger ist das Datum, die Bezifferung der Stunde als das, was beide verbindet, porträtierte Person und Zeichner. Vielleicht sind ja jene Porträts die unvertrauteren, auf denen sich Quabeck mit einer klassischen These bedienen muss, sich auf ein Charakteristikum festlegen will wie „Die Smarte“ und „Der Stattliche“. Ausnahmen jedoch in diesem Block von 80 Zeichnungen mit Tusche auf 21 x 14,8 cm. Freunde, Kollegen, Gregor Hildebrandt.

Wir sitzen uns für eine Stunde gegenüber, ich zeichne, Ähnlichkeit ist das Ziel, aber die gemeinsam verbrachte Zeit gehört irgendwie auch dazu.
(Cornelius Quabeck)

Selbst Hunde und Katzen vermag er in früheren Arbeiten so darzustellen, dass sie selbst dem frischen Blick entgegen präsentieren, ein Selbst von altbekannter, urgenannter Nähe.
(Text: Christoph Braun)

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