Hansa Wißkirchen

*MANŒUVRES in the dark*
16.02.2018 – 22.04.2018

Hansa 2018

von Peter Hein

So, jetzt Textbaustein „Kunst“ aufrufen, Namen tauschen, Katalog_V01_3 in _4 ändern, fertig, oder so ähnlich.

Da hat mich mal wieder ein Lockruf aus der Vergangenheit erreicht, bisschen Strom durch die Kabel gejagt, paar Tage im Postfach zwischengelagert, hin gewälzt, her überlegt; was soll ich dazu sagen? Wieso fragt der mich? Was wird meine Leistung? Und: Was weiß ich denn überhaupt?

Naja, so gut wie nix.

Der Künstler porträtierte den jungen Mann schon als solchen, unter anderem Namen, durch gemeinsame Bekannte und Ex-Bandkumpels, ich sage nur Muscha, Roger, Stiefelpeter…..

Zu der Zeit, ca. ein halbes Jahrhundert zurückliegend (ja, er hat sich gut gehalten, wie, das bleibt sein Geheimnis), da beschränkten sich die Kontakte auf gemeinsame Hof-Tänze und Konzertbesuche.

Wesen und Streben auf jeweils eigenen Ebenen, vermutlich, wenn überhaupt. Schnitt/Kalenderblende/Schwurbelfilter, was immer an Fernsehklischees in den Sinn kommen mag, das möge man sich hier vorstellen. Wir finden uns jetzt zur Mitte des verbotenen Jahrzehnts von Not, schlechtem Geschmack, kultureller Verelendung, Grunge, Techno, Kommerz, Beliebigkeit, Ornament und Verzierung des Aktienmarktes. Irgendwann um 93 oder 96 oder so ähnlich tauchte plötzlich in der heimischen (damals: Düsseldorf) Szene sozusagen aus der Versenkung ein Derwisch der guten Laune und des sicheren Geschmacks auf, den man gar nicht mehr im Blick gehabt hatte. Plötzlich fanden in Großraumdiskos oder Eckkneipensälen unglaublich geile Partys statt, wo die Türsteher einen trotz 30 Jahren Altersunterschied rein ließen, wo bis zum frühen Morgen die Pillenausdünstungen ertragen werden konnten, bis der Bierwischmop durchfuhr und das letzte Taxi kam.

Auf diesen Veranstaltungen war richtige Musik erkennbar, wo sonst nur das unerträgliche Gezischel und Gestampfe der Beats denjenigen niedermachte, der als passiver Teil einer Beziehung die Nächte unter Menschen verbringen musste. Da konnten Tanzbeine geschwungen werden, nicht nur Köpfe geschüttelt und Pfeifen getrillert. Und das was ich als Deko empfand war wohl eigentlich von eigens dafür ausgebildeten jungen Menschen als Kunst an die Wände und in die Räume platziert worden. So wie die ganzen Veranstaltungen mit Motto und Flyer und allem auch von Publikum und Veranstalter ins Umfeld „Akademie“ und Kunst gehievt wurden.

Für mich in rascher Folge, für die Verantwortlichen wohl in mehrjährigem Abstand, entpuppte sich unser ehemaliger Hansi als Clubkönig der Stadt, trat in die Fußstapfen von Mora, Hof, Cream, Sheila, Dschungel und so weiter. Immer fand sich ein Lokalbetreiber der seine Events brauchte, um einen maroden Laden wieder zu füllen, bis es nach einigen glorreichen Monaten oder auch nur Wochen wieder vorbei war. Es hieß, schwieriger Charakter. Man mag es glauben. Und manchmal war es auch eine eigene Galerie, oder eine Kaffemodediskoboutique, die Ideen gingen ihm nie aus.

Dann war es aus. Schicht. Ob tatsächlich noch mal in der toten Hülle des Ex-Hofs, oder wo auch immer, es gab wohl eine letzte „Hansa geht nach Berlin Party“, das war‘s.

Wie schon früher, wer weg geht ist weg. Egal wie stylish er immer war, zielsicher Pogo und Yeh-Yeh mischen konnte mit Kinderdisko, Dekozauber, Klamotten aus Nichts, wurscht. Berlin, geh doch.

Und nun dies, aus heiterem Himmel ein halbes tausend Grußworte, für was?
KUNST? Weiß man‘s?

Nach längerem Verdrängen und Verschieben nämlich doch mal den Link geklickt, und was soll ich sagen, alles so, wie erwartet, Klamotten, Umtriebigkeit, Übermalung, Collage, Kopie und Chemie. Da wird man nicht enttäuscht oder muss sich entsetzt abwenden, weil Zwangsprogressivität zu befürchten stünde. Aus der Kunst halt ich mich raus, aber der Look & Feel zwischen 78 und 83 ästhetisch sozialisierter Halbpunks lässt sich nicht abschütteln, und für einfach gestrickte Geister wie unsereiner geht Läwwe so lange weiter, wie Hansa wieder irgendwo einen Club macht.

Servus aus Wien

Material