Thomas Gruber

IL ATTEND LA NUIT
29.07.2020 – 25.08.2020

IL ATTEND LA NUIT.
DUNKLE NACHT. UNAUSSPRECHLICHE NACHT. FERNAB UND DOCH NAH LIEGT DIE WELT. IN DER NACHT IST DIE STADT EINE ANDERE. DIE STADT WIRD DIR FOLGEN. PARIS. HAST AUCH DU EIN GEFALLEN AN UNS, DUNKLE NACHT? RUE DE L’HÔTEL DE VILLE. UND DER MORGEN DANACH. VIELLEICHT WÜRDE DAS LICHT NEUES LEIDEN BEDEUTEN. WER WEISS WELCHE NEUEN DINGE ES MIR ENTHÜLLEN WÜRDE. VICTOR NOIR. ICH FÜHLE DEN PULS DIESER STADT. ICH SPÜRE DEN LÄRM IN MEINEN ADERN. ICH RIECHE DAS GRAU DES ASPHALTS. LA DRAGUE. NUIT. GERÄUSCHE WIE MUSIK IN DER NACHT. MARAIS. BLITZENDE STERNE ÜBERALL WIE UNENDLICHE AUGEN, DIE DIE NACHT IN UNS GEÖFFNET HAT. KÖRPER ERINNERE DICH. IN IHREN LEBHAFTEN AUGEN SPIEGELN SICH SEINE BILDER. DIE SCHWARZEN KÖRPER DER BANLIEUES PARISIENNES NOIR. SCHEMENHAFT TAUCHT DER SCHRIFTZUG „IL ATTEND LA NUIT“ WIE AUF EINER VERBLASSTEN LEUCHTREKLAME FLACKERND AUF. HORS LES MURS. GARE DU NORD. NACHTGERUCH. DAHINFLIESSENDE SEINE. STILLER STADTFLUSS. DIE SCHEINWERFER DER BATEAUX MOUCHES DURCHSCHNEIDEN DIE LUFT, AUSGESTRECKT WIE STRAHLENDLEUCHTENDE SCHWERTER. NUR DIE LUST KANN DER ZEIT WIDERSTEHEN. MUSS IMMER DER MORGEN WIEDERKOMMEN?

Francis Berrar

Der Maler und Bühnenbildner Thomas Gruber zeigt in seinen Bildern, die Zeichnungen sind, und in seinen Zeichnungen, die wie gemalte Bilder anmuten, die Schatten einer privaten Welt und gibt ihnen autonome Form und Raum. Seine Arbeiten sind das Substrat seiner Streifzüge durch urbane Landschaften. Individuelle Beobachtungen und Erinnerungen werden so Reflexionen über das menschliche Leben in einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort. Als Flaneur, ganz im Geiste von Baudelaire und von Poe, ist es ihm möglich, den urbanen Alltag mit seinen Mythen und Geheimnissen zu entziffern, wie einen geheimen Code. Real erlebte Begebenheiten und Wahrnehmungen werden gespeichert und in einer sehr eigenen Weise transformiert und katalysiert. Sie bleiben verschlüsselt und Geheimnis für immer. Was Thomas Gruber als reale Wirklichkeit erlebt, verwandelt er in einen abstrakten Bildmodus. Die elementare und wichtigste Auseinandersetzung mit der Bildmaterie ist für ihn die langsame und monotone Vorbereitung einer glatten Bildoberfläche. So entsteht eine hochsensible Bildepidermis durch einen endlosen Prozess des Abschleifens und Aufeinanderschichtens von Farbe. Konzentriert fokussiert er die bildnerischen Mittel auf zwei Bildpläne, auf Grund und Muster, die die visuelle Prägnanz des Gemäldes ausmachen. Thomas Gruber bedient in seiner Malerei eher die Nichtfarben, bevorzugt schwarz und grau in allen Nuancen. Die eigentliche Malerei erfolgt zum Schluss als flüchtige Reaktion seiner Hand.

Francis Berrar

Thomas Gruber, 1951
Studium an der Akademie der Bildenden Künste München
Stipendium Cité Internationale des Arts, Paris
Bühnenbildentwürfe für Oper- und Schauspielinszenierungen
u.a. Deutsche Oper Berlin, Wiener Staatsoper, Staatstheater Saarbrücken,
Oper Leipzig, Staatstheater Darmstadt, Staatstheater Braunschweig, Oper Bonn

Material